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Nr. 6 der 14 weltbesten UWR-Damenteams!

Die österreichischen Damen übertrafen bei ihrem WM-Debüt in Graz die Erwartungen. Hier eine Nachlese von Nationalteamtrainer Jan Kindermann.

Credits: S. Scheuer

Credits: S. Scheuer

Credits: S. Scheuer

Von 25. Juli bis 3. August ist die 11. CMAS Unterwasserrugby Weltmeisterschaft über die Bühne gegangen. Erstmals durfte sich der Tauchsportverband Österreich als Gastgeber präsentieren und veranstaltete den Bewerb in der Grazer Auster. Zum ersten Mal überhaupt nahm auch eine österreichische Damendelegation an der Meisterschaft Teil. Mit 17 Herren- und 14 Damenteams war das Feld so breit wie noch nie und unsere beiden Mannschaften bekamen es sowohl mit altbekannten als auch mit völlig neuen Gegnerinnen und Gegnern zu tun.

Tag 1: COL – AUT (0:3)

Die Gruppenauslosung bescherte unseren Damen mit den Teams aus Dänemark und Kolumbien starke Gegnerinnen aus etablierten Nationen, die mit hohen Ambitionen in die Weltmeisterschaft gingen. Das Auftaktspiel des Turniers fand am 25.7. gleich um 8:00 Uhr morgens zwischen unseren heimischen Damen und der Delegation aus Kolumbien statt. Die Südamerikanerinnen nahmen ihre Favoritenrolle vom Start weg an und etablierten ihr gewohntes Spiel mit sehr viel Ballbesitz. Während es den Österreicherinnen kaum gelang, Entlastung durch eigene Angriffe zu erwirken, blieben die Angriffsbemühungen der Kolumbianerinnen zunächst lange Zeit unkritisch. Die Verteidigung arbeitete dicht am eigenen Korb, die Abstimmung zwischen den Torverteidigerinnen und Forecheckerinnen war nahezu lückenlos. Erst nach etwa 7 Minuten konnte der enge Verteidigungsriegel um den österreichischen Korb geknackt und die 1:0 Führung erzielt werden. Die Konzentration der TSVÖ-Damen ließ jedoch keineswegs nach und der Rest der ersten Halbzeit blieb für die Favoritinnen weiterhin fruchtlos.

Ab der Halbzeit versuchten die Gastgeberinnen mehr in die Konter zu kommen. Die verstärkten Bemühungen nach vorne brachten jedoch gleichzeitig erhöhten Druck am eigenen Tor mit sich, besonders nach Ballverlusten im eigenen Spielaufbau. In einer dieser Situationen konnte ein weiteres Gegentor nur durch ein Foul der Torfrau verhindert werden, was eine Zeitstrafe und demzufolge zwei Minuten Unterzahlspiel mit sich brachte. Im Laufe dessen fiel dann doch der zweite Gegentreffer und Kolumbien setze sich mit 2:0 ab. Österreich versuchte weiterhin, eigenen Ballbesitz und Konter zu forcieren und bewies starken Kampfgeist bis zum Schluss. Gerade achtzehn Sekunden vor Schluss konnten die Kolumbianerinnen die nun offenere, mutigere Spielweise der österreichischen Damen in deren erstem WM Spiel überhaupt noch einmal ausnutzen und den 3:0 Schlusspunkt unter eine hart umkämpfte Partie setzen. Damit war die Pflicht für das Team mit Titelambitionen zwar erfüllt, doch der beherzte Auftritt der Gastgeberinnen hatte bereits jetzt ein deutliches Signal in Richtung aller zukünftiger Gegner gesandt: mit ihnen war zu rechnen!

Tag 2: DK – AUT (2:3)

Am zweiten Tag der WM stand das zweite Gruppenspiel für Österreichs Damen auf dem Plan. Um 15 Uhr war am 28. Juli klar, dass der Sieger den deutlich einfacheren Weg in die oberen 8 Plätze der WM haben würde. Dänemark war in diesem Spiel sicherlich Favorit, doch hatten Vorbereitungsturniere früher in diesem Jahr gezeigt, dass die österreichischen Damen auf Augenhöhe mit den Skandinavierinnen spielen können. Dänemark versuchte, genau wie Kolumbien am Tag zuvor, von Beginn an Dominanz zu etablieren. Doch die Verteidigung der österreichischen Damen war wieder kompakt und konnte die Angriffe in den ersten Minuten erfolgreich abwehren. Darüber hinaus gelang den Österreicherinnen noch vor Mitte der ersten Halbzeit ein schneller Gegenangriff, den Daniela Neunteufel direkt in eine eins-zu-null-Führung für das Gastgeber-Team verwandeln konnte. Das Team aus Dänemark zeigte Nerven und versuchte, weiterhin sein dominantes Spiel aufzuziehen – wurde aber immer wieder von Ballgewinnen und Kontern der Österreicherinnen stark unter Druck gesetzt. Wenige Minuten später gelang es Österreich nach einer eigenen Druckphase, den Konterversuch der Skandinavierinnen frühzeitig zu unterbinden und die soeben aufgelöste Verteidigung zu überrumpeln. Elisabeth Schwarz verwertete den schnellen Angriff zur 2:0 Führung. Mittlerweile war deutlich, dass das dänische Team nicht mit derart viel Gegenwehr und schon gar nicht mit einer solchen Effizienz im Torabschluss gerechnet hatte. Das Spiel entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch, indem auf beiden Seiten Chancen generiert und viele Tore knapp vereitelt wurden. Einmal in dieser Phase konnte eine dänische Spielerin mit einer starken Einzelleistung eine Unachtsamkeit in der österreichischen Verteidigung ausnutzen und den 1 zu 2 Anschlusstreffer erzielen. Das ohnehin spannende Spiel gewann durch diesen Treffer noch einmal an Brisanz. Von dem Anschlusstreffer beflügelt erhöhten die Skandinavierinnen den Druck, um noch vor der Pause ein Ausgleich erzwingen zu können. Doch kurz vor der Halbzeit brachen die österreichischen Damen mit einem beherzten Konter von Anna Weberhofer durch das dänische Forechecking, überbrückten das gesamte Spielfeld in Windeseile und konnten am gegnerischen Korb mit Denise Schmutz erneut mit zwei Toren in Führung gehen. Halbzeitstand 3 zu 1.

In der zweiten Spielzeit sortierte sich das dänische Team um und konnte ein klein wenig mehr Kontrolle und Ruhe in der eigenen Verteidigung etablieren. Die gesamte zweite Halbzeit verlief weiterhin als offener Schlagabtausch, ohne dass eines der beiden Teams deutliche Vorteile erzwingen konnte. Den im Vergleich zur ersten Halbzeit etwas fokussierter spielenden Damen aus Dänemark gelangen zwar noch der 2:3 Anschlusstreffer, doch blieb es am Ende dabei. Österreich hatte sich mit diesem Sieg den zweiten Platz in Gruppe B und damit im weiteren Verlauf als Kreuzspielgegner den dritten aus Gruppe D so gut wie gesichert. Gegner sollte Kanada werden.

Tag 4: AUT – CAN (14:0)

Durch den Sieg gegen Dänemark wurde Kanada Österreichs Gegner im Kreuzspiel um den Einzug ins Viertelfinale. Die Damen aus Nordamerika spielten ebenfalls ihre erste WM. Die Vorrundenspiele ließen allerdings vermuten, dass die TSVÖ-Damen diesmal eindeutig in der Favoritenrolle zu verorten waren. Das Spiel verlief relativ fahrig. Kanada verteidigte mit Zähnen und Klauen, manchmal eher unkonventionell. Die junge österreichische Mannschaft konnte jedoch immer wieder die Verteidigung überwinden, sowohl durch gutes Zusammenspiel, als auch schlicht ein höheres individuelles Niveau. Dennoch gaben die kanadischen Damen, die in der Vorrunde noch höhere Niederlagen hinnehmen mussten, nicht auf und kämpften um jede Situation.

Das Endergebnis lautete 14:0.

Erfolgreichste Torschützin für Österreich war Ann-Kristin Wille mit 5 Treffern, gefolgt von Stephanie Tomschitz, Daniela Neunteufel und Denise Schmutz mit jeweils 2, sowie Bilim Erbas, Sabrina Scheuer und Isabella Diem mit jeweils einem Treffer. Mit diesem Sieg war das ausgegebene Ziel einer Platzierung unter den Top 8 bereits erreicht.

Tag 5: GER – AUT (7:0) – Das Spiel gegen die WM-Titelverteidigerinnen

Am 31. Juli um 13:00 Uhr stand der österreichischen Damendelegation dann das Team aus Deutschland im Viertelfinale gegenüber. Die deutschen Damen hielten den Titel von vor 4 Jahren und waren in ihrer Mission, zum zweiten Mal in Folge Weltmeister zu werden. Mit diesen Vorzeichen gingen die österreichischen Damen jedenfalls als Underdog in die Partie, doch wie gegen Kolumbien, erwies sich die rot-weiß-rote Verteidigung als sehr solide. Im Laufe der ersten Halbzeit konnten die amtierenden Weltmeisterinnen lediglich ein Tor erzielen. Im Gegensatz zum Auftaktspiel gegen Kolumbien konnte Österreich diesmal sogar mehr Spielanteile gewinnen und so den Druck am eigenen Korb immer wieder unterbrechen.

Einige Minuten nach der Halbzeitpause wurde Deutschland ein Strafwurf zugesprochen, den sie zur 2:0 Führung verwerteten. In weiterer Folge konnte das deutsche Team immer öfter Lücken in der Verteidigung der Gastgeberinnen aufreißen und nutze diese auch mit zunehmender Effizienz. Am Ende musste sich Österreich mit 0:7 geschlagen geben und spielte fortan um die Plätze 5-8.

Tag 6: AUT – AUS (2:1)

In dem folgenden Kreuzspiel am 1. August um 12 Uhr ging es darum, wer um die Plätze 5-6 spielen darf. Gegner in dieser Partie war Australien. Die australischen Damen waren bereits zum zweiten Mal bei einer Weltmeisterschaft und hatten mit dem Sprung in die Top 8 ebenfalls bereits ihre Zielvorstellung erfüllt. Für beide Teams ging es hier also darum, ein ohnehin schon gutes Ergebnis noch besser zu machen. Die Partie begann fahrig mit Schwierigkeiten auf beiden Seiten, zwingende Toraktionen zu erzeugen. Australien spielte mit sehr viel Herzblut und hatte sich im Vergleich zur Partie viel besser eingestellt, was es den rot-weiß-roten Damen sehr schwierig machte, in dem Spiel Fuß zu fassen. Es ging mit einem Spielstand von 0:0 und dem Gefühl, dass hier für beide Teams alles möglich ist, sobald sie konsequentere Torangriffe aufbauen können, in die Pause.

Das gelang in der zweiten Halbzeit zunehmend den Gastgeberinnen: immer häufiger konnte die australische Verteidigung in Schwierigkeiten gebracht werden. Durchaus verdient erzielte zunächst Denise Schmutz die Führung, die wenige Minuten später von Stephanie Tomschitz zum 2:0 ausgebaut werden konnte. Beide Tore fielen nach Vorarbeit von Sabrina Scheuer. Mit dem 2:0 hätte das Spiel schon entschieden sein können, doch Australien wollte sich nicht kampflos geschlagen geben. Zweieinhalb Minuten vor Schluss gelang ihnen tatsächlich noch der 1:2 Anschlusstreffer, der die ohnehin bereits hohe Spannung und Intensität in dieser Begegnung noch eine Stufe hochschraubte. Schlussendlich konnte die Führung allerdings souverän über die restliche Zeit gehalten werden und Österreich besiegte sehr beherzte Australierinnen knapp, aber verdient mit 2:1. Damit verdienten sich die Damen einen Tag Pause, bevor sie am Finaltag der WM um die Plätze 5 und 6 spielen würden.

Tag 8: SWE – AUT (4:0) – Unser Finale um die Plätze 5 und 6

Am 3. August um 10:30 standen die Damen der österreichischen Nationalmannschaft zum letzten Spiel ihrer ersten Weltmeisterschaft am Beckenrand bereit, um gegen Schweden die Plätze 5 und 6 auszuspielen. Schweden war in diesem Spiel Favorit, doch hatte Österreich bereits gegen Dänemark überrascht. Mit einem Tag Pause für beide Mannschaften vor dieser Begegnung stand ein schnelles Spiel in Aussicht. Die Partie entwickelte sich offen, mit leichten Vorteilen bei Schweden. Doch was die Skandinavierinnen an Zweikampfstärke umsetzten, glichen die Österreicherinnen mit disziplinierten Tauchzeiten und Schwimmwegen zunächst gut aus. Es gab gute Chancen auf beiden Seiten und erst anderthalb Minuten vor der Halbzeitpause gelang Schweden die 1:0-Führung. Nach der Pause erwischte es die rot-weiß-roten Damen zweimal kurz nacheinander in unsortierten Momenten, die von Schweden mit viel Erfahrung knallhart ausgenutzt wurden. Ab dem 3:0 schien das Spiel zwar nicht mehr zu gewinnen zu sein, doch warf Österreich alle Reserven zusammen, um sich zu stabilisieren und zu Chancen auf den Ehrentreffer zu kommen. Am Ende fehlte mehrmals nur eine Kleinigkeit und statt des eigenen Treffers konnte Schweden noch relativ spät den 4:0-Schlusspunkt setzen.

Eine über den Verlauf der WM von mehrfachem Krankheits- und Verletzungspech zusätzlich gebeutelte österreichische Damenmannschaft verabschiedete sich damit als 6. von 14 Damenteams aus ihrer ersten Weltmeisterschaft. Damit haben sie sowohl die eigene Zielsetzung, als auch die Erwartungen des Großteils der Community eindeutig übertroffen. Nach diesem gelungenen Einstand darf man gespannt sein auf die Entwicklung des österreichischen Damen-Unterwasserrugby und auf kommende Zonenmeisterschaften.

Von Jan K.